4 BLOCKS – Kunst oder Vorurteil

4 BLOCKS – Kunst oder Vorurteil

6. März 2019

Mohammad und Hussam haben sich die Serie „4 Blocks“ angesehen und erklären uns, warum sie aus ihrer Sicht wertvoll ist.

© pixabay_pixelanarchy

4 Blocks ist als Kunst zu verstehen.
Ja, der Regisseur spielt mit typischen Stereotypen. Aber das macht die Serie nicht rassistisch. Die Serie beruht teilweise auf wahren Begebenheiten. Aber – und deswegen ist es Fiktion – es gibt auch viele Übertreibungen. Das macht die Serie spannend und konfrontiert uns trotzdem mit realen Problemen. So versucht beispielsweise Kida Ramadan alias „Tony“, der das Oberhaupt des Clans darstellt, von Anfang an eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, um auf legalem Weg arbeiten zu können. Als es ihm jedoch immer wieder verwehrt bleibt, sieht er sich gezwungen – wie viele Menschen in seinem Umfeld – auf illegalem Weg an Geld zu kommen.
Diese Lebensrealität gibt es. Einige Einwanderer dürfen nicht arbeiten und finden keinen sozialen Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft. Das System begünstigt somit die Kriminalität. Dieser Aspekt der Serie beschreibt Teile der Realität. Oft überspitzt die Serie aber auch die Realität.

Ich will ein sauberes Leben, keinen Stress, ich hab' Familie
Tony Hamady

Zum Beispiel als die Drogenlieferung mit dem LKW kommt und „Kartoffel“ und sein Fahrer beim Transport abgefangen werden. Von zwei Tschetschenen, die sich als Kriminalpolizisten ausgeben. Die Szene (Achtung Spoiler-Alert!) endet in einem Schusswechsel und mit zwei Toten. Hier wird mit Vorurteilen gespielt und Gewalt überspitzt dargestellt.

Übertreibungen haben aber ihre Berechtigung. Einerseits, weil die Serie vor allem der Unterhaltung dienen soll. Sie muss kein politisch-korrektes Bildungsfernsehen sein. Klar, die Serie dramatisiert und überspitzt. Doch das macht sie spannend, erzählt eben nicht nur von der Realität, sondern von einer fiktiven Welt mit Bösewichten und Helden. Diese sind aber nicht schwarz-weiß, sondern divers und damit realistischer als in fast jedem Tatort.
Gleichzeitig gibt die Serie die Chance, sich mit seinen eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen. Die Serie spielt mit dem Bild, das die Mehrheitsgesellschaft von der arabischen Minderheit hat. Fühlt sich der Zuschauer beim Schauen der Serie in seinen eigenen Vorurteilen bestätigt, sollte er sich ertappt fühlen. Die Serie zeigt die Bilder, die sowieso schon in unseren Köpfen sind. Im besten Falle regt uns das zum Nachdenken an. Muss Kunst unbedingt eine Nachricht überbringen? Nein. Kunst darf spielerisch mit gesellschaftlichen Debatten umgehen. Und auch mal Grenzen überschreiten – zwischen Realität und Fiktion und Klischee.

Ich werd' der deutscheste Deutsche.
Tony Hamady

#integration #rezension

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  • von Mohammad Mahdi / Hussam Fawaz
  • am 6. März 2019