Acht wissenswerte Dinge zum Ramadan

Acht wissenswerte Dinge zum Ramadan

7. Mai 2019

Jedes Jahr begehen Muslime auf der ganzen Welt den Ramadan. Doch dabei geht es um mehr als nur das Fasten – es ist die Zeit der Läuterung von Körper und Seele. Hier sind acht Dinge, die du über den Ramadan wissen solltest.

Von Mulla Çetin

© ahmedsaborty/pixabay

Nr. 1: Was der Ramadan ist

Der Ramadān (übersetzt so viel wie „der heiße Monat“, –„Große Hitze“, –„Verbrannte Erde“) ist der neunte Monat des islamischen Kalenders. Gemeinsam mit dem Radschab und dem Schaban bildet er die sogenannten gesegneten Monate. Neben dem Glaubensbekenntnis (Schahāda), dem täglichen Pflichtgebet (Salāt), der Almosengabe (Zakāt) und der Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch) gehört das Fasten im Ramadan (Saum) zu den Hauptpflichten des Islam.

Nr. 2: Die Pflicht des Fastens

Die Besonderheit des Ramadan besteht darin, dass in ihm das heilige Buch der Muslime, der Koran, herabgesandt wurde. Darin werden alle Gläubigen zum Fasten aufgerufen: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qurʾān als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. […]“ – Sure 2 Vers 185 –

Nr. 3: Jedes Jahr zu einer anderen Zeit

Der islamische Kalender, richtet sich nach dem Mond und hat damit zehn bis elf Tage weniger als der gregorianische Kalender, welcher sich wiederum nach der Sonne orientiert. Deshalb verschiebt sich die Fastenzeit auch jedes Jahr um einige Tage. Im Laufe eines Lebens fastet man daher durch alle Jahreszeiten. Gefastet wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, genauer genommen heißt es im Koran: „[…] Und eßt und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen Faden von einem schwarzen Faden unterscheidet. Dann haltet das Fasten streng bis zur Nacht. […]“ – Sure 2 Vers 187 – Ausgenommen sind hierbei u.a. Kinder, Schwangere bzw. Stillende, Kranke und altersschwache Menschen.

Nr. 4: Über Verzicht und Spiritualität

Neben dem Verzicht auf natürliche Bedürfnisse, wie Speis, Trank und ehelichen Beischlaf, sollen die Fastenden auch darauf achten, sich gerade im Ramadan von allem Schlechten fernzuhalten. Man beschäftigt sich vermehrt mit Themen wie Selbstreflexion, Vergänglichkeit und der Lossagung von allem Weltlichen. Ziel ist es, Gottes Anerkennung zu erlangen. Auch gibt es im Ramadan viele Gelegenheiten sich der Spiritualität zu widmen. Im gemeinsamen Gebet, durch Koranlesungen und religiösen Vorträgen aber auch durch das lediglich im Ramadan stattfindende Tarâwîh-Gebet kann man die innere Ruhe finden.

Nr. 5: Die wichtigste Nacht des Jahres

Die Nacht der Bestimmung bzw. des Schicksals (Lailat al-Qadr) ist es, in der die koranische Offenbarung begann und mit ihr der Prophet Mohammed (Segen und Frieden auf ihm) die ersten Worte Gottes durch den Erzengel Gabriel zugesandt bekam: „Wir haben ihn wahrlich in der Nacht des Schicksals herabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht des Schicksals ist? Die Nacht des Schicksals ist besser als tausend Monate. […]“ – Sure 97 Vers 1-3 – Das genaue Datum ist zwar ungewiss, wird jedoch in einem der letzten zehn ungeraden Nächten des Ramadan vermutet. In dieser Zeit befassen sich die Gläubigen intensiver mit Gebeten, Koranrezitationen und der Andacht Gottes.

Nr. 6: Von Wecktrommeln und Datteln

Während des Ramadan gibt es viele Bräuche und Traditionen. So werden in vielen vorwiegend muslimischen Ländern die Gläubigen vor Sonnenaufgang durch die berühmten Ramadantrommler und ihren Rufgesängen geweckt. Auch Laternen schmücken zu dieser Zeit das Stadtbild und erhellen die Nächte. Es ist zudem Sitte, während des Fastenmonats den gesamten Koran zu lesen. Ein wichtiger Bestandteil des Essens ist die Dattel, auch das „Brot der Wüste“ genannt: mit ihr wird traditionell das Fasten gebrochen. Dazu wird ein Glas Wasser oder Milch getrunken – so wie es bereits der Prophet getan hat.

Nr. 7 Gemeinsam Essen

Ramadan ist auch die Zeit des Beisammenseins. Gemeinsam mit der Familie und Freunden bricht man das Fasten.  Die Einladung zum Fastenbrechen (Iftar) gehört hierbei zum guten Ton. Es werden zudem auch öffentliche Tafeln für Bedürftige geschaffen und die sogenannten Iftars in den Moscheen veranstaltet, zu denen die Menschen herzlichst eingeladen sind, teilzunehmen.

Nr. 8: Ein süßer Abschluss

Im Anschluss an den Ramadan folgt der Höhepunkt: das dreitägige Fest des Fastenbrechens, auch Zuckerfest genannt (Eid al-Fitr). Die Männer begeben zum Festtagsgebet in die Moscheen und entrichten dort auch ihre Spenden. Im Laufe des Tages kommt dann die gesamte Familie zusammen, alle in den schönsten Kleidungsstücken, die man hat. Die Jüngeren küssen als Zeichen des Respekts die Hände der Älteren und Kinder bekommen Süßigkeiten, Geld, Spielzeug – eben alles was die Herzen höher schlagen lässt. Schließlich versammelt sich die Familie am reich gedeckten Tisch mit aufwendig zubereiteten Speisen und den süßesten Leckereien. Streitigkeiten sollten an diesem Tag niedergelegt, Freundschaften zelebriert und an die Toten gedacht werden. Es ist ein weltweites Fest der Versöhnung, Gemeinschaft und Dankbarkeit an Gott.

*Extra*: Wie können Nichtmuslime ihre muslimischen Mitmenschen unterstützen?

Arbeitgeber*innen, Kolleg*innen, Lehrer*innen etc. können versuchen, die Bedeutung des Ramadan zu verstehen und die betreffende Person nach Möglichkeit nicht übermäßig zu beanspruchen. Zum Fest dann ein „Eid Mubarak“, „Ramazan Bayraminiz mübarek olsun“ oder einfach ein „alles Gute zum Fest“ zu wünschen, wird den muslimischen Mitmenschen garantiert ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Es geht schlicht um Wertschätzung und Anerkennung. Vor allem aber sollten die alljährlich wiederkehrenden Scheindebatten endlich überwunden und stattdessen gerne die Einladung zum Fastenbrechen angenommen werden. Man kann sogar selbst ein Iftar veranstalten, in dem man seine Liebsten einmal einlädt. Denn es gibt keine schönere Art des Kennenlernens und Zusammenkommens als das gemeinsame Essen.

Wir wünschen allen Muslim*innen eine gesegnete und besinnliche Zeit. Ramadan Mubarak!

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  • von Mulla Çetin
  • am 7. Mai 2019