Darum ist es Zeit für einen Beauftragten gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit

Darum ist es Zeit für einen Beauftragten gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit

14. November 2018

Es gibt eine Erinnerung in meinem Leben, über die ich nur sehr ungern rede. Sie ist aus einer Zeit, in der ich kaum Rückrat besaß. Das Geschehen ereignete sich inmitten einer Berliner U-Bahn.
Eine Muslima und ihre Kinder wurden von zwei Damen beschimpft und schikaniert. Es war eine Schandtat, doch niemand griff ein. Ich schwieg ebenfalls, obwohl es mein Recht und meine moralische Pflicht gewesen wäre, etwas zu sagen. Doch ich schaute weg und mit mir der ganze Waggon. Diese Feigheit habe ich bis heute nicht vergessen. Vielmehr hat sie mich geprägt und meinen Blick neu ausgerichtet. Ich schwor mir, nie wieder bei Unrecht zu schweigen.

Die Welt gerät zurzeit ziemlich ins Wanken. Auch bei uns in Deutschland werden an die Rinde der Demokratie Kerben geschlagen. Die Sprache verroht und verbale Entgleisungen scheinen erschreckend normal zu werden. Gewalt übergibt sich auf die Straßen. Hetzer und Schwätzer jeglicher Couleur tun sich zusammen und schleichen sich in die bürgerliche Mitte ein. Sie alle eint der Hass auf die Muslime. Ja, einfache Antworten auf komplizierte Fragen wären schön- doch es gibt sie nicht, dafür sind die Probleme zu komplex. Eine ganze Religion und ihre Anhänger als Mutter allen Übels zu erklären, um Wahlen zu gewinnen, ist primitivste Demagogie. Wehret den Anfängen ist schon zu spät, wir sind mittendrin!

© CC BY-NC-SA / marx21

Wie ich mich angesichts dieser antimuslimischen Entwicklungen fühle? Nun, am liebsten würde ich mich aus alledem raushalten und einfach mein Leben leben. Doch soll ich tatsächlich zusehen, wie auf Kosten von uns Muslimen Politik betrieben wird? Kann ich mir wirklich die Naivität erlauben und denken, alles wird schon gut? Was wäre, wenn jeder so denken würde? Nein, ich will nicht und ich kann nicht tatenlos sein. Nicht in diesen schweren Zeiten. Wir sind die Erben unserer Zukunft. Ich möchte nicht eines Tages in die Augen meiner Kinder blicken und sagen müssen, dass ich geschwiegen habe. Ich will meinen Beitrag leisten für die Gesellschaft und gegen den Hass. Vor Kurzem habe ich deshalb eine Petition gestartet. Darin fordere ich einen Beauftragten der Bundesregierung gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit. Es ist Zeit, dass die wehrhafte Demokratie ein Zeichen setzt. Ihre Standhaftigkeit beweist sie nicht in guten, sondern erst in schweren Tagen.
Darum ist es Zeit für einen Beauftragten gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit!

„Beeilt euch zu handeln, ehe es zu spät ist, zu bereuen.“
Fridtjof Nansen

#empowerment #zugehörigkeit

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  • von Mulla Çetin
  • am 14. November 2018